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Peterbus & die Exzellente Schar

Foxconn – Massenschlägerei

24.12.2012 Oli 1 Comment

Zwei Begriffe gehen oftmals Hand in Hand „Foxconn“ und „Apple“. Wie ich kürzlich schon klargestellt hatte: Ich mag Apple nicht. Wieso? Unter anderem, weil sie mit Foxconn zusammenarbeiten, und die in der Vergangenheit ja nicht nur einmal negativ aufgefallen sind. Was nun die genauen Umstände des jüngsten Vorfalls (bzw. Vorfälle) sind, sie mal dahin gestellt. Der Effekt war: Der Betrieb wurde erheblich gestört. Aber… Ist Foxconn wirklich der einzige Satan da draußen?

Sicherlich könnte ich jetzt Stunden und Tage damit zubringen und herausfinden, wer alles welche perfiden Dinge treibt. Aber es soll ja nur ein kurzer Überblick darüber werden, welche Firmen noch so bekannter Maßen Dreck am Stecken haben. Wir alle wollen für unsere Arbeit anständig entlohnt werden und ein gewisses Maß an Komfort dabei erfahren. In Ländern, die nicht so finanzstark sind wie das gute alte Deutschland, sieht die Realität meist anders aus und auch bei uns wird es zunehmend prekärer.

Fangen wir mit dem größten Badboy Foxconn an:

  • 50% des regionalen Mindestlohns (40€ statt 80€)
  • 80 statt der erlaubten 36 Überstunden
  • Miese Arbeitsverhältnisse (von betriebsbedingtem Mobbing, bis hin zu den Wohnbedingungen etc.)
  • 13 bestätigte Selbstmorde (aufgrund der genannten Punkte, eventuell höhere Dunkelziffer) 2010
  • 2011 Nominierung für den Public Eye Award
  • Verdacht auf Kinderarbeit (ein sehr wahrscheinlicher)
  • 200 Studenten zur Produktion des iPhone 5 gezwungen um den Arbeiterbedarf zu decken
Foxconn Fabrik in Shenzhen

Foxconn Fabrik in Shenzhen

Was wurde dagegen unternommen?

  • Mehrfache (geringe) Lohnerhöhungen
  • Beitritt Apples zur Fair Labor Association2012
    • Daraufhin gab es Untersuchungen, die die aufgeführten Missstände bestätigten
    • Kinderarbeiter wurden versteckt (zumindest laut Wikipedia)

Ist das wirklich alles?

Wahrscheinlich nicht und genau darum soll es uns gehen. Foxconn ist einer der größten Zulieferer für Apple, Microsoft, HP, Nintendo, Dell, HTC und noch einige andere. Aber Foxconn ist nicht der einzige Produzent in diesem Markt und Apple nicht der einzige Nutznießer unlauterer Geschäftsmethoden. Obgleich Foxconn natürlich DER Global Player ist und dementsprechend auch in aller Munde, wenn mal wieder was schief geht, gibt es Konkurrenz, und die ist nicht weniger zimperlich.

HEG Electronics

  • Kinderarbeit
  • 80% aller Mitarbeiter = Schüler (2012)
  • Zulieferer für Samsung

Research in Motion

  • Hersteller des Blackberry
  • Da findet sich erstaunlicherweise nichts… Allerdings ist hier der Firmensitz auch in Kanada

Zugegebenermaßen ist das hier nur das Ergebnis einer relativ kurzen Recherche. Über manche Herstellungsorte oder Zuliefererfirmen findet man spontan überhaupt nichts und es ist nicht einmal bekannt, wo überhaupt produziert wird, oder von wem. Eines sollte aber klar sein, mit einem Blick auf Foxconn: Apple ist hier nicht die einzige Firma, die in der Pflicht steht dafür zu sorgen, dass die Arbeitsbedingungen bei ihren Zulieferern und Produzenten stimmen.

Wie kommt es eigentlich dazu?

Diese Frage finde ich, sollte man sich stellen müssen. Wie kann es sein, dass so teure Produkte unter derartigen Bedingungen produziert werden? Nun, die Antwort ist auch hier wie immer, denkbar einfach. Es geht nur um den Profit. Es lohnt sich schlichtweg nicht in großen Industrienationen zu produzieren, wo die Mitarbeiterkosten um ein Vielfaches höher wären. Das Problem ist, dass keine Firma  heute noch gerne einfach nur Gewinn einfährt. Gewinn muss gleich Tausenden Beteiligten schmecken und besten Falls die Ausgaben nicht einfach nur decken und ein mäßiges Wachstum erlauben, nein, es müssen exorbitante Zahlen generiert werden. Es ist die reine Gier, die Menschen dazu treibt, andere Menschen schonungslos auszubeuten, nur damit man am Ende noch ein Auto hat, noch ein Haus oder noch einen Jet.

Wie steht es um den Gewinn?

Das Onlineportal isuppli hat es einmal vorgerechnet: Das iPhone 5 kostet inklusive Produktion (also der Arbeit, die bei Foxconn gemacht wird, die interessanterweise nur mit 8$ zu Buche schlägt) 207-238$ (je nach Ausstattung). Der Endkunde zahlt zwischen 649-849$. Das ist ein Gewinn von 442$-611$ PRO Gerät. Sicherlich muss Apple Mitarbeiter bezahlen, Infrastrukturen schaffen, etc. Dennoch sind das wahnsinnig hohe Gewinnspannen, die auf dem Rücken von chinesischen Billig-Lohnkräften (ich will schon gar nicht niedrig sagen) entstehen. Das Beste ist natürlich noch: Obgleich der € einen starken Wechselkurs zum $ hat, wird das iPhone 5 für 679-899€ angeboten werden. Dank Regional Pricing (also einem Preismodell, das sich am jeweiligen Bruttosozialprodukt des Verkaufslandes orientiert), wird hier noch einmal extra Kasse gemacht.

Sündenfall

Apple ist eben ein Traditionsunternehmen

Fazit

Häufiger liest man: Warum hacken alle immer nur auf Apple rum? Viele andere bestellen bei Foxconn und Foxconn ist nicht der einzige Bösewicht! Ja. Das stimmt. Allerdings gibt es auch kaum einen anderen Hersteller, der seine Kundschaft so dreist aussaugt, wie Apple. Wozu brauchen wir jedes Jahr ein neues iPhone? Wieso kostet ein Macbook so viel mehr als bessere Konkurrenzprodukte? Es ist die Marke, die man bezahlt. Natürlich gibt es tolle Design Innovationen. Aber die sind spärlich und meist bei weitem nicht so innovativ, wie Apple es seiner Kundschaft weismachen will, und auch die verarbeitete Hardware ist kaum besser, als die der Konkurrenz. Leichtere Bedienbarkeit sollte für eine Generation, die mit Technologie im Alltag aufwächst, auch nicht mehr DAS Argument schlechthin sein. Und wehe mir kommt einer mit der besseren Sicherheit bei Apple, dann schreibe ich direkt noch einen Artikel 😛

Meiner Meinung nach ist Apple mit Foxconn vielleicht nicht der einzige Dämon, aber die Krone des Satanas kann am Ende nur einer tragen. Von meiner Seite geht diese Auszeichnung definitiv an Apple.

 

#Apple#Foxconn#iPhone

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